Ein, zwei, drei … Bierchen? Wann wird's zu viel beim Fußball-WM-Rudel-Gucken?
Suchtberater informiert im Radiointerview über Alkoholkonsum während der Fußball-Weltmeisterschaft.
ALZEY – Fußball-Weltmeisterschaften sind für viele Menschen ein Anlass, gemeinsam zu feiern, beim Public Viewing mitzufiebern und auf Siege anzustoßen. Doch wo endet der gesellige Konsum und wo beginnen gesundheitliche Risiken? Antworten gibt Peter Haag von der Suchtberatung der Regionalen Diakonie Rheinhessen in Alzey in ein Radiointerview bei RPR1.
Im Gespräch wird deutlich: Alkohol gehört für viele Menschen selbstverständlich zu sportlichen Großereignissen dazu. Gleichzeitig werden die damit verbundenen Risiken häufig unterschätzt.
„Alkohol ist die Droge, die in unserer Gesellschaft am stärksten akzeptiert wird – und gerade deshalb werden die Risiken oft unterschätzt“, erklärt Peter Haag im Interview.
Die Wahrheit zum risikofreien Alkoholkonsum
Der Suchtberater verwies dabei auf aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse. Anders als früher angenommen, gilt heute: Einen gesundheitlich risikofreien Alkoholkonsum gibt es nicht. Bereits geringe Mengen Alkohol können gesundheitliche Schäden verursachen. Mit steigender Konsummenge nimmt auch das Risiko für Erkrankungen und andere negative Folgen zu.
Besondere Aufmerksamkeit widmet das Interview den Bedingungen beim Public Viewing. Emotionale Spielsituationen, lange Aufenthaltszeiten, die ständige Verfügbarkeit alkoholischer Getränke und das positive Wirkerleben vom Alkohol können dazu führen, dass Menschen deutlich mehr trinken als ursprünglich geplant.
„Beim Public Viewing geht es oft nicht nur um Fußball, sondern auch um Gemeinschaft. Genau diese Gruppendynamik kann dazu führen, dass Menschen mehr trinken als sie eigentlich vorhatten“, so Haag.
Neben den gesundheitlichen Risiken können übermäßiger Alkoholkonsum und Rauschtrinken zu Konflikten, Aggressionen, Unfällen oder gefährlichen Heimwegen unter Alkoholeinfluss führen. Besonders problematisch sei ein früher und regelmäßiger Alkoholkonsum bei Jugendlichen, da dieser das Risiko späterer Suchterkrankungen erhöhen könne.
Safer Use und Risikominimierung
Im Interview wird deshalb auch über Möglichkeiten der Schadensminimierung gesprochen. Wer Alkohol konsumiert, kann durch einen bewussten Umgang Risiken reduzieren. Dazu gehören beispielsweise das Essen vor dem Trinken, der Wechsel zwischen alkoholischen und alkoholfreien Getränken, das Vermeiden von Trinkspielen sowie die Planung eines sicheren Heimwegs.
„Safer Use bedeutet nicht: Alkohol ist harmlos. Es bedeutet: Wer trinkt, sollte wissen, wie Risiken möglichst geringgehalten werden können“, betont der Suchtberater.
Nach aktuellen Schätzungen konsumieren in Deutschland rund 8,6 Millionen Menschen Alkohol in gesundheitlich riskanten Mengen. Etwa 2,2 Millionen Menschen gelten als alkoholabhängig. Die gesellschaftlichen Folgekosten des Alkoholkonsums belaufen sich auf mehrere Milliarden Euro pro Jahr.
Zum Abschluss des Interviews plädiert Haag für einen bewussten Umgang mit Alkohol während der Weltmeisterschaft:
„Fußball, Gemeinschaft und Feiern brauchen keinen Alkohol. Wer trinken möchte, sollte die Risiken kennen. Und wer nicht trinken möchte, sollte sich dafür nicht rechtfertigen müssen.“
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Peter Haag
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