Aktionstag Suchtberatung: Nah, wirksam, unverzichtbar
Zum bundesweiten Aktionstag am 12. November macht die Regionale Diakonie Rheinhessen mit verschiedenen Aktionen auf die Bedeutung der Suchtberatung vor Ort aufmerksam – und auf die zunehmenden Herausforderungen für das Hilfesystem.
RHEINHESSEN – Wenn Menschen aufgrund von Alkohol, Medikamenten, Cannabis, Glücksspiel oder anderen Suchtproblemen nicht mehr weiterwissen, brauchen sie eine Anlaufstelle, die erreichbar ist, zuhört und gemeinsam nach Lösungen sucht. Genau hier setzt Suchtberatung an.
Unter dem Motto „Nah, wirksam, unverzichtbar“ findet am 12. November 2026 der bundesweite Aktionstag Suchtberatung statt. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) und Suchtberatungsstellen in ganz Deutschland machen an diesem Tag auf die vielfältigen Aufgaben und den gesellschaftlichen Stellenwert der Suchtberatung aufmerksam.
„Suchtberatung beginnt nicht erst dann, wenn alles zusammengebrochen ist“, sagt Niko Blug, Teamleitung Sucht & Fachstelle Suchtprävention. „Menschen können sich an uns wenden, wenn sie Fragen haben, sich Sorgen um ihren Konsum machen oder sich um einen Angehörigen kümmern. Oft ist ein erstes Gespräch der entscheidende Schritt, um wieder Orientierung zu bekommen.“
Suchtberatungsstellen sind niedrigschwellige Anlaufstellen für Betroffene und Angehörige. Sie beraten, begleiten und stabilisieren, vermitteln bei Bedarf in weiterführende medizinische oder therapeutische Hilfen und arbeiten eng mit anderen Einrichtungen und Diensten zusammen. Damit übernehmen sie eine wichtige Schnittstellenfunktion im kommunalen Hilfesystem.
Mehr Bedarf – weniger Spielraum
Gleichzeitig steht die Suchtberatung vielerorts unter erheblichem Druck. Zwei bundesweite Befragungen der DHS zur Finanzierung der Suchtberatungsstellen aus den Jahre 2024 und 2026 zeigen, dass bei rund drei Vierteln der öffentlich finanzierten Beratungsstellen die Finanzierung nicht kostendeckend beziehungsweise vermutlich nicht kostendeckend war. Gleichzeitig werden die Fälle komplexer: 2024 berichteten 82 Prozent der Einrichtungen von einer zunehmenden Komplexität – 2026 sind es bereits 84 Prozent
Die Auswirkungen sind bereits spürbar: Laut DHS wurden unter anderem Angebote eingeschränkt, Öffnungs- und Sprechzeiten reduziert und Stellen geschlossen beziehungsweise von drohenden Schließungen berichtet.
„Wir erleben eine Entwicklung, bei der der Unterstützungsbedarf steigt, während die Rahmenbedingungen schwieriger werden“, so Malte Poppe, stellvertretende päd. Leitung der Regionalen Diakonie, „Suchtberatung braucht deshalb verlässliche Strukturen, ausreichend Fachpersonal und eine Finanzierung, die den tatsächlichen Aufgaben gerecht wird.“
Dabei ist Suchtberatung nicht nur eine Hilfe für einzelne Menschen. Sie kann dazu beitragen, gesundheitliche und soziale Folgen von Sucht zu begrenzen, Familien und andere Bezugspersonen zu entlasten und Menschen möglichst frühzeitig mit passenden Unterstützungsangeboten zu erreichen. Die DHS verweist zudem auf Untersuchungen zu den gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Effekten von Suchtberatung.
Ein Angebot für Menschen und ihre Angehörigen
Zum Aktionstag möchte die Fachstelle Sucht der Regionale Diakonie Rheinhessen an den Standorten in Ingelheim, Mainz, Oppenheim und Alzey deshalb vor allem eines vermitteln: Wer Hilfe sucht, muss nicht erst am Tiefpunkt angekommen sein.
„Man muss nicht schon wissen, was man verändern möchte, und man muss auch nicht die richtigen Worte finden“, sagt Peter Reuter, langjähriger Suchtberater der Regionalen Diakonie, „Man kann einfach mit einer Frage zu uns kommen. Wir schauen gemeinsam, was der nächste Schritt sein kann.“
Rund um den bundesweiten Aktionstag macht die Regionale Diakonie Rheinhessen mit lokalen Kooperationspartnern mit drei Aktionen vor Ort auf die Bedeutung der Suchtberatung aufmerksam:
Mitarbeitende der Suchtberatung vor Ort in Bodenheim
Wann: Mittwoch, 11. November 2026, von 15 bis 17 Uhr
Wo: Foyer der Verbandsgemeindeverwaltung, Am Dollesplatz 1, 55294 Bodenheim
Mitarbeitende der Suchtberatung vor Ort in Oppenheim
Wann: Donnerstag, 12. November 2026, von 10 bis 12 Uhr
Wo: Einkaufsgalerie EDEKA Kissel SBK, Sant’Ambrogio-Ring 6, 55276 Oppenheim
„Babbelbank“ mit Bücherecke und weiterführenden Informationen
In Zusammenarbeit mit der Ev. Kirchengemeinde und unter dem Motto „…oder ohne uns einfach kurz mal eine Pause machen“ lädt die Babbelbank dazu ein, innezuhalten und sich über weiterführende Hilfsangebote zu informieren.
Wann: Vom 12. bis 19. November 2026, zu den Öffnungszeiten
Wo: Westchor der Katharinenkirche, Katharinenkirche 1, 55276 Oppenheim
Denn Suchtberatung ist nah am Menschen, wirksam in ihrem Handeln und unverzichtbar für eine funktionierende gesundheitliche und soziale Versorgung vor Ort.
Zum Aktionstag Suchtberatung
Der bundesweite Aktionstag Suchtberatung findet jährlich am zweiten Donnerstag im November statt. 2026 steht er unter dem Motto „Nah, wirksam, unverzichtbar“. Ziel ist es, über die Arbeit und Angebote der Suchtberatungsstellen zu informieren und ihren gesellschaftlichen Stellenwert sichtbar zu machen.
Weitere Infos zum Aktionstag
Ihr Kontakt
Regionale Diakonie Rheinhessen
Niko Blug
Teamleitung Sucht
Suchtprävention
Standortkoordination HaLT proaktiv
Beratungszentrum Oppenheim
Am Markt 10
55276 Oppenheim