Das Jubiläum unterstreicht die große gesellschaftliche Bedeutung der Suchtselbsthilfe in Rheinland-Pfalz. Als besonderer Ehrengast hat Ministerpräsident Gordon Schnieder sein Kommen angekündigt und würdigt damit das jahrzehntelange ehrenamtliche Engagement des Freundeskreises Worms.
Was einst im Keller des Hauses von Gründervater Dr. Brauer begann, hat sich in fünf Jahrzehnten zu einem festen Bestandteil der Suchtselbsthilfe in Worms entwickelt. Der Freundeskreis bietet bis heute wöchentliche Selbsthilfegruppen für Betroffene und Angehörige an und versteht sich als verlässlicher Ort der Begegnung, Unterstützung und Gemeinschaft.
Dabei ging die Arbeit des Freundeskreises schon früh weit über die klassischen Gruppentreffen hinaus. Gemeinsam mit der Suchtberatung der Regionalen Diakonie entstand bereits Ende der 1970er Jahre eine „therapeutische Kette“, die ambulante Beratung, mögliche stationäre Behandlung und die anschließende Integration in die Selbsthilfe miteinander verband. Dieses Konzept prägt die Arbeit bis heute.
Im Laufe der Jahre entwickelte der Freundeskreis ein umfangreiches Angebot für Betroffene und Angehörige: Angehörigengruppen, Führerscheingruppen, Begegnungswochenenden, Frauentage, Informationsveranstaltungen, Freizeitangebote, Wanderungen, Busreisen, Sommerfeste sowie öffentliche Aktionen zur Aufklärung über Suchterkrankungen. Viele ehrenamtliche Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter absolvierten Fortbildungen und Ausbildungen zu Suchtkrankenhelfern und engagieren sich bis heute mit großem persönlichem Einsatz.
Besonders wichtig war dem Freundeskreis immer die Gemeinschaft außerhalb der eigentlichen Gruppenstunden. „Gemeinsame Aktivitäten stärken den Zusammenhalt und helfen vielen Menschen dabei, Isolation zu überwinden und neue soziale Kontakte aufzubauen“, berichtet Hans-Jürgen Furchtmann vom Freundeskreis. Zahlreiche Teilnehmende fanden hier über Jahrzehnte Halt, Orientierung und neue Lebensperspektiven.
Auch schwierige Zeiten meisterte die Selbsthilfegruppe gemeinsam. Trotz der Schließung der Suchtberatung der Regionalen Diakone in Worms im Jahr 2015 blieb der Freundeskreis aktiv und sichtbar. „Uns war es immer wichtig, der Krankheit ein Gesicht zu geben“, betont Furchtmann.
Heute treffen sich die Gruppen weiterhin regelmäßig in Worms und werden gut besucht. Neben der Gruppe für Betroffene besteht auch eine eigenständige Angehörigengruppe. Themen wie Alkoholabhängigkeit, Medikamentensucht oder der zunehmende Cannabis-Konsum beschäftigen die Gruppenarbeit aktuell ebenso wie die Unterstützung von Familienangehörigen.
Das 50-jährige Jubiläum ist für den Freundeskreis Worms Anlass, dankbar auf fünf Jahrzehnte ehrenamtlicher Suchtselbsthilfe zurückzublicken. Gleichzeitig soll das Jubiläum ein Zeichen dafür sein, dass Suchterkrankungen jeden Menschen treffen können – und dass Hilfe, Verständnis und Gemeinschaft wichtige Schritte auf dem Weg aus der Sucht sind.