50 Jahre Freundeskreis Worms – Ein halbes Jahrhundert Hoffnung, Gemeinschaft und gelebte Selbsthilfe
Mit einer feierlichen Jubiläumsveranstaltung in der Magnuskirche hat der Freundeskreis Worms bei der Regionalen Diakonie Rheinhessen sein 50-jähriges Bestehen gefeiert. Zahlreiche Gäste aus Politik, Kirche, Suchthilfe und Selbsthilfe waren gekommen, um fünf Jahrzehnte ehrenamtliches Engagement für Menschen mit Suchterkrankungen und deren Angehörige zu würdigen.
Begrüßung durch Ehepaar Furchtmann
Die langjährigen Wegbegleiter Silvia und Hans-Jürgen Furchtmann eröffneten die Feier mit einem bewegenden Rückblick auf die Geschichte des Freundeskreises. Sie erinnerten an die Anfänge im Keller des Gründers Dr. Adolf Brauer und an die vielen Menschen, die den Weg der Selbsthilfe in den vergangenen fünf Jahrzehnten geprägt haben. In einer stillen Gedenkminute wurde auch der Verstorbenen gedacht, die Teil dieser Gemeinschaft waren. Die Furchtmanns sind Herz und Seele des Freundeskreis Worms. Sie leiten seit über 40 Jahren jeweils eine wöchentliche Gruppe und haben die Jubiläumsfeier gemeinsam mit der Regionalen Diakonie geplant und organisiert.
„50 Jahre sind nicht nur eine Zahl, sondern eine Geschichte voller Gespräche, Ängste, Tränen, aber vor allem von gemeinsam erreichter Stabilität und wiedergewonnener Lebensfreude“, betonte Silvia Furchtmann. Hans-Jürgen Furchtmann würdigte die enge Verbindung zur Regionalen Diakonie Rheinhessen, die den Freundeskreis von Beginn an begleitet und unterstützt habe.
Besonders erfreut zeigte sich der Freundeskreis über die Teilnahme von Ministerpräsident Gordon Schnieder, Staatssekretärin Kathrin Anklam-Trapp sowie der Wormser Oberbürgermeister Adolf Kessel und weitere Gäste aus Politik, Kirche und Diakonie. Die hohe Wertschätzung der Gäste machte deutlich, welchen wichtigen Beitrag die Suchtselbsthilfe für die Gesellschaft leistet.
Ministerpräsident Gordon Schnieder hob in seinem Grußwort hervor, dass dieses Jubiläum weit mehr sei als eine Zahl. Es stehe für gelebte Geschichte, für Beständigkeit und für den Mut zur Veränderung. Selbsthilfe bedeute Hilfe auf Augenhöhe, getragen von Vertrauen, gegenseitigem Verständnis und persönlicher Lebenserfahrung. Gerade die Suchtselbsthilfe schließe eine Lücke, die keine Institution allein füllen könne. Aus Unterstützung werde hier echte Stabilität, aus Therapie gelebter Alltag. Den Engagierten des Freundeskreises sprach er seinen Dank und großen Respekt aus: Ihr Einsatz schaffe Räume, in denen Hoffnung wachsen könne.
Menschen verstehen und begleiten
In seinem Grußwort hob auch der Leiter der Regionalen Diakonie Rheinhessen Klaus Engelberty die Bedeutung der Selbsthilfe hervor. Gerade in einer Region, in der Wein und Weinkultur fest zur Identität gehörten, sei ein bewusster Umgang mit den Risiken von Alkoholabhängigkeit wichtig. Selbsthilfegruppen und professionelle Beratungsangebote bildeten dabei unverzichtbare Säulen der Unterstützung.
„Menschen erfahren hier Annahme, Zuspruch und Unterstützung. Es gibt keine Behandler und keine Patienten. Es gibt Menschen, die einander verstehen und begleiten.“
Ehrung des herausragenden Engagements
Ein besonderer Höhepunkt der Feier war die Ehrung langjährig engagierter Mitglieder. Als Zeichen der Anerkennung für ihren herausragenden ehrenamtlichen Einsatz in der Suchtselbsthilfe wurden Ellen und Willi Heid mit dem Goldenen Kronenkreuz der Diakonie und Frank Gessner mit dem Silbernen Kronenkreuz ausgezeichnet. Die Ehrungen würdigten Menschen, die über viele Jahre hinweg Verantwortung übernommen und Betroffene sowie Angehörige auf ihrem Weg begleitet haben.
Ein Angebot für Betroffene und Angehörige
Seit seiner Gründung im Jahr 1976 begleitet der Freundeskreis Worms Menschen auf dem Weg in ein suchtfreies und selbstbestimmtes Leben. Aus den ersten Treffen entwickelte sich ein vielfältiges Angebot mit Selbsthilfegruppen für Betroffene und Angehörige, Begegnungswochenenden, Informationsveranstaltungen und gemeinschaftlichen Aktivitäten. Viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer engagierten sich über Jahrzehnte hinweg mit großem persönlichem Einsatz.
Das Jubiläum bot Gelegenheit, dankbar auf das Erreichte zurückzublicken und zugleich den Blick nach vorne zu richten. Die Botschaft des Freundeskreises ist auch nach 50 Jahren unverändert aktuell: Suchterkrankungen können jeden Menschen treffen – doch Hilfe, Verständnis und Gemeinschaft eröffnen Wege zurück in ein selbstbestimmtes Leben.
Ihr Kontakt
Regionale Diakonie Rheinhessen
Kaiserstraße 29
55116 Mainz